
Der Sprint (Individual Sprint), teilweise auch als Fliegerrennen oder früher als 1.000 Meter Sprint bezeichnet, gilt als die Königsdisziplin im Bahnradsport. Dies zum einen, weil bei der Kurzzeit-Disziplin Sprint die höchsten Geschwindigkeiten - abgesehen von Steherrennen - gefahren werden, zum anderen wegen der sehr langen Geschichte dieses Wettbewerbs.
Bereits bei der Radweltmeisterschaft 1893 wurde ein Sprintrennen ausgetragen. Seit 1896 steht die Disziplin auf dem Programm der Olympischen Sommerspiele. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München gewann der französische Radstar Daniel Morelon, aus deutscher Sicht sind insbesondere die Siege von Jens Fiedler (1992, 1996) zu erwähnen.
Ausgetragen
wird der Wettbewerb in Turnierform. In den ersten Rennen fahren 2
oder 3 Fahrer im k.o. System gegeneinander. Dabei werden je nach
Bahnlänge (die meisten Bahnen sind zwischen 200 und 333 Metern lang)
2-3 Runden gefahren. Der Sieger des einzelnen Rennens kommt im
Wettbewerb eine Rund weiter, während der oder die Verlierer noch
eine Chance in den Hoffnungsläufen erhalten. Die Zusammenstellung der
einzelnen Läufe wird anfänglich nicht gelost, sondern ausgefahren.
Dabei startet jeder Rennfahrer einzeln und seine Zeit über die
letzten 200 Meter wird gestoppt. Der Schnellste kann dann in der
ersten Runde des k.o. Systems gegen den Langsamsten antreten.
Ab Viertel- oder Halbfinale werden jeweils zwei Läufe ausgetragen. Wenn es dabei unterschiedliche Sieger gibt, kommt es noch zu einem Entscheidungslauf. Wer beim Start führen muss wird dabei entweder ausgelost oder durch die Qualifikationszeiten bestimmt. Unabhängig davon wie lang das Gesamtrennen ist, wird die Zeit nur für die letzten 200 Meter genommen. Sie ist nur wichtig für die Zusammenstellung der einzelnen Läufe und die Rekordbücher. Gewonnen hat aber, wer zuerst durchs Ziel fährt - unabhängig von der Zeit.
Bei den Olympischen Spielen 1948 erzielte der Sieger Mario Ghella (ITA) eine Zeit von 12,0 Sekunden, bei der WM 2009 gewann Kevin Sireau (FRA) in 9,572 Sekunden. Es werden damit Geschwindigkeiten von über 70 km/h gefahren.
Ein erfolgreicher Sprinter muss nicht nur über Schnelligkeit und Kraft verfügen, er braucht auch gute taktische Fähigkeiten. Der Fahrer, der vor der letzten Runde hinten liegt, hat im allgemein die besseren Siegchancen. Er kann etwa überraschend antreten und eine grosse Lücken reissen, oder er kann auf der Zielgeraden aus dem Windschatten kommen und damit einen Geschwindigkeitsüberschuss erzielen. Den Nachteil einer etwas längeren Fahrstrecke (aussen) kann er dann mehr als ausgleichen. Während des Rennens gibt es so verschiedene taktische Varianten, die meist darauf abzielen, vor dem eigentlichen Sprint in die zweite Position zu gelangen bzw. diese zu halten. Stehversuche und Tempowechsel sind dabei oft verwendete strategische Mittel.
Leider geht es nicht immer ganz fair zu und die Jury muss entscheiden, ob etwa eine gefahrene Welle als Behinderung oder nur als erlaubtes taktisches Manöver anzusehen ist. Disqualifikationen kommen hin und wieder schon mal vor.
Beim Sprint wird mit speziellen Bahnrädern (ohne Bremse und Freilauf, mit starrem Gang und höher gesetztem Tretlager) gefahren wird. Hierzu gibt es eine genaues Reglement der UCI.
Schlussrunde: Carsten Bergemann (vorne) beobachtet seinen neuseeländischen Gegner genau. Wann kommt dessen Antritt?
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