Disziplinen des Bahnradsports

Einzelzeitfahren (Individual Time Trial)

 

Das Einzelzeitfahren ist eine der ältesten Kurzzeit-Disziplinen des Bahnradsports. Sie stand erstmals bereits 1906 auf dem Olympischen Programm.

Nach den Wettkampfregeln (3.2.101 bis 3.2.112) des Radsportweltverbandes (UCI) wird bei Weltcuprennen und Weltmeisterschaften bei den Männern eine Strecke von 1.000 und bei den Frauen von 500 Metern gefahren. Gestartet wird aus dem Stand heraus. Dabei kommt ein "Starting Block" (Startmaschine) zum Einsatz.

Teun Mulder beim Start aus der StartmaschineTeun Mulder, der Weltmeister von 2008, beim Start aus dem Start Block

 

Es befindet sich jeweils nur ein Teilnehmer im Rennen. Dieser kämpft allein gegen die Uhr. Die Reihenfolge im Ziel richtet sich also nur nach der gefahrenen Zeit.

Bei einem Fehlstart erhält der Sportler einmalig einen zweiten Versuch. Der Wettbewerb wird ohne Qualifikations- oder Vorläufe durchgeführt. D.h. alle Teilnehmer starten sofort im  Finale. Die Reihenfolge wird dabei von der Wettkampfleitung festgelegt, wobei diese meist versucht, die stärksten Fahrer am Ende ins Rennen zu schicken.

Zwischen 1928 und 2004 stand das Einzelzeitfahren - als gesonderte Disziplin - bei den Männern auf dem Programm der Olympischen Spiele. Bei den Frauen konnten nur 2000 und 2004 olympische Medaillen gewonnen werden. Ab 2012 wird es bei Olympischen Spielen als letzter Wettbewerb des Omnium (Vielseitigkeit) ausgetragen. Es stellt also nur noch einen Teil eines 6 Einzeldisziplinen umfassenden Wettbewerbs dar.

Weltmeistertitel sind beim Einzelzeitfahren nach wie vor zu gewinnen. Bei Europameisterschaften wird diese Disziplin aber nicht durchgeführt.

Vom Anforderungsprofil wird für das erfolgreiche Einzelzeitfahren ein tempofester Sprinter gesucht. Zwar ist ein schnelles Anfahren wichtig, doch muss das höchste Tempo (erreicht meist nach rund 200 Metern) auch bis zum Ziel durchgehalten werden. Sehr oft fällt erst auf der Schlussrunde die Rennentscheidung. Die Taktik ist weitgehend auf die Kettung und die Renneinteilung beschränkt.

Bei den Männern versuchen sich die Weltklasseathleten der 1 Minuten Schallgrenze zu nähern. Der Weltrekord des Franzosen Arnaud Tourant liegt zwar mit 58.875" darunter. Er wurde aber in der Höhenlage von La Paz (Bolivien) erzielt.

Francois PervisFrancois Pervis, mehrfacher Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften

 

Bei den Frauen knackt die Australierin Anna Meares mit 33.010"  bei der WM 2012 in Melbourne beinahe die 33 Sekunden Grenze.

Gerade bei den Männern ist das 1000 Meter Einzelzeitfahren (Individual Time Trial) eine besonders starke Disziplin der deutschen Fahrer. Von 1976 bis 1984 stellten sie den Olympiasieger zudem gewann Stefan Nimke alleine 4 Weltmeistertitel.

 

 

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Olympiasieger im Einzelzeitfahren seit 1976

Männer:
1976 Klaus-Jürgen Grünke (DDR)
1980 Lothar Thoms (DDR)
1984 Fredy Schmidtke (GER)
1988 Aleksandr Kiritschenko (SOV)
1992 Jose Moreno Perinan (ESP)
1996 Florian Rousseau (FRA)
2000 Jason Queally (GBR)
2004 Chris Hoy (GBR)

Frauen:
2000 Felicia Ballanger (FRA) 
2004 Anna Meares (AUS)


Weltmeistermeister im Einzelzeitfahren seit 2002

Männer:
2002 Chris Hoy (GBR)
2003 Stefan Nimke (GER)
2004 Chris Hoy (GBR)
2005 Theo Bos (NED)
2006 Chris Hoy (GBR)
2007 Chris Hoy (GBR)
2008 Teun Mulder (NED)
2009 Stefan Nimke (GER)
2010 Teun Mulder (NED)
2011 Stefan Nimke (GER)
2012 Stefan Nimke (GER)
2013 Francois Pervis (FRA)
2014 Francois Pervis (FRA)
2015 Francois Pervis (FRA)

Frauen:
2002 Natalja Zilinskaja (RUS)
2003 Natalja Zilinskaja (RUS)
2004 Anna Meares (AUS)
2005 Natalja Zilinskaja (RUS)
2006 Natalja Zilinskaja (RUS)
2007 Anna Meares (AUS)
2008 Lisandra Guerra (CUB)
2009 Simona Krupeckaite (LTU)
2010 Anna Meares (AUS)
2011 Olga Panarina (BLR)
2012 Anna Meares (AUS)
2013 Wai Sze Lee (HKG)
2014 Miriam Welte (GER)
2015 Anastassija Woinowa (RUS)

 

Disziplinen des Bahnradsports:

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Team Pursuit (Mannschaftsverfolgung)
Sprint (Individual Sprint)
Omnium (Vielseitigkeit)
Keirin

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