Disziplinen des Bahnradsports

Punktefahren (Points Race)

 

Beim Punktefahren, einer noch recht jungen Ausdauerdisziplin des Bahnradsports, geht es darum, durch vordere Platzierungen bei Zwischensprints und/oder durch mögliche Rundegewinne, Punkte zu erzielen.

Nach den Regeln (3.2.114-3.2.129) des Radsportweltverbandes (UCI) legt die Wettkampfleitung fest, wie viele Fahrer (meist rund 20) an einem Endlauf teilnehmen dürfen und ob davor noch ein Qualifikationswettbewerb durchgeführt wird.

Die Länge von Qualifikationsläufen beträgt bei den Männern 15 und bei den Frauen 10 km. Die Endläufe werden dann über eine Distanz von 30 bzw. 20 km durchgeführt. Eine Ausnahme bildet die Weltmeisterschaft. Dort werden 40 bzw. 25 km gefahren.

Wie viele Zwischensprints (Punktesprints) zu fahren sind, hängt von der Länge der Bahn ab. Bei den heute üblichen 250 Meterbahnen fliessen bei 20 km 8, bei 25 km 10, bei 30 km 12 und bei 40 km 16 Sprints in die Wertung ein.

Bei längeren Bahnen, etwa 333,33 und 400 Meter, werden mehr Sprints durchgeführt. Beispielweise sind dies bei einer Rennlänge von 30 km dann 15 statt 12 Wertungen.

Pro Sprintwertung werden folgendermaßen die Punkte verteilt: der Erste erhält 5, der Zweite 3, der Dritte 2 und der Vierte 1 Punkt. Die Wertungsabnahme erfolgt auf der Ziellinie.

Wenn ein Fahrer eine Runde gegenüber dem Feld gewinnt, d.h. er vorne wegfährt und  hinten wieder ins Feld zurückkehrt, erhält er 20 Punkte. Wann dies genau der Fall ist, entscheidet die Wettkampfleitung. Bis zu diesem Augenblick kann er natürlich noch Punkte bei Zwischenwertungen einsammeln.

Ein Fahrer der eine Runde verliert, d.h. so weit abhängt, dass er vom Feld wieder eingeholt wird (überrundet), bekommt 20 Punkte abgezogen.

Wenn am Ende des Rennens zwei oder mehr Fahrer punktgleich sind, zählt der letzte Sprint für die endgültige Platzierung. Der Start des Rennens erfolgt fliegend (im Massenstart), wobei die erste Rennrunde neutralisiert ist.

PunktefahrenPunktefahren im Rahmen des Omnium-Wettbewerbs (WM 2012)

 

Das Punktefahren war von 1984 bis 2008 bei den Männern und von 1996 bis 2008 bei den Frauen eine eigenständige Olympische Disziplin. Seit 2012 wird es bei Olympischen Spielen nur noch als ein Teil des Omnium (Vielseitigkeit) Wettbewerbs ausgetragen. Bei den UCI Bahnweltmeisterschaften gehört es aber nach wie vor zum Programm.

Die besten Siegchancen beim Punktefahren hat ein Rennfahrer, der sowohl über Ausdauer, ein gewisses Sprintvermögen, soziale Kompetenz und große taktische Fähigkeiten verfügt. Beispielsweise griff der Australier Cameron Meyer bei der WM 2012 in Melbourne erst wenige Runden vor Schluss energisch an. Der haushohe Favorit hatte bis dahin nur wenige Punkte bei Zwischensprints gewonnen. Er sicherte sich durch einen Rundengewinn in "letzter Sekunde" seinen dritten Weltmeistertitel. Dass dies gelang, war zum einen seinen herausragenden fahrerischen Fähigkeiten zu verdanken, zum andern aber seiner berechnenden Renntaktik. Alle Konkurrenten hatten den Favoriten im Auge behalten. Er griff erst an, als die anderen schon müde waren. Dabei hatte er aber auch Glück - oder einen guten Freund im Feld -, dass der Neuseeländer Aaron Gate die Attacke mitfuhr und auch Führungsarbeit übernahm. Das Einschätzen der Reaktionen der Gegner spielt für einen erfolgreichen Punktefahrer also auch eine wichtige Rolle.

Cameron MeyerDer dreifache Weltmeister im Punktefahren: Cameron Meyer

 

Beim Punktefahren kommt es also anders als etwa bei der Einerverfolgung, auf die verschiedensten unterschiedlichen Fähigkeiten der Sportler an.

 

 

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Olympiasieger im Punktefahren

Männer:
1984 Roger Ilegems (BEL)
1988 Dan Frost (DEN)
1992 Giovanni Lombardi (ITA)
1996 Silvio Martinello (ITA)
2000 Joan Llaneras (ESP)
2004 Michail Ignatjew (RUS)
2008 Joan Llaneras (ESP)

Frauen:
1996 Nathalie Lancien (FRA)
2000 Antonella Bellutti (ITA)
2004 Olga Sljussarewa (RUS)
2008 Marianne Vos (NED)


Weltmeistermeister im Punktefahren seit 2002

Männer:
2002 Chris Newton (GBR)
2003 Franz Stocher (AUT)
2004 Franck Perque (FRA)
2005 Wolodymyr Rybin (UKR)
2006 Peter Schep (NED)
2007 Joan Llaneras (ESP)
2008 Wassil Kiryjenka (BLR)
2009 Cameron Meyer (AUS)
2010 Cameron Meyer (AUS)
2011 Edwin Avila (COL)
2012 Cameron Meyer (AUS)
2013 Simon Yates (GBR)
2014 Edwin Avila Vanegas (COL)
2015 Artur Jerschow (RUS)

Frauen:
2002 Olga Sljussarewa (RUS)
2003 Olga Sljussarewa (RUS)
2004 Olga Sljussarewa (RUS)
2005 Vera Carrara (ITA)
2006 Vera Carrara (ITA)
2007 Katherine Bates (GBR)
2008 Marianne Vos (NED)
2009 Giorgia Bronzini (ITA)
2010 Tara Whitten (CAN)
2011 Tatsiana Sharakova (BLR)
2012 Anastasia Chulkova (RUS)
2013 Jarmila Machacova (CZE)
2014 Amy Cure (AUS)
2015 Stephanie Pohl (GER)

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Disziplinen des Bahnradsports:

Team Sprint (Mannschaftssprint)
Team Pursuit (Mannschaftsverfolgung)
Sprint (Individual Sprint)
Omnium (Vielseitigkeit)
Keirin

Time Trial (Einzelzeitfahren)
Points Race (Punktefahren)
Scratch Race (Malfahren)
Individual Pursuit (Einerverfolgung)
Madison (Zweier-Mannschaftsfahren)

Elimination Race (Ausscheidungsfahren)
200m Einzelzeitfahren (200m Time Trial)
Fliegende Runde (Flying Lap)