Disziplinen des Bahnradsports

Zweier-Mannschaftsfahren (Madison)

 

Das Zweier-Mannschaftsfahren (Madison) ist eine - zumindest im Bereich der UCI - recht neue Ausdauer-Disziplin des Bahnradsports. Die ersten Rennen dieser Art fanden allerdings bereits 1899 im New Yorker Madison Square Garden statt.

Nach den Wettkampfregeln (3.2.156 bis 3.2.172) des Radsportweltverbandes (UCI) wird diese Disziplin ausschliesslich von Männern gefahren. Eine Mannschaft besteht dabei aus zwei Sportlern. Diese erhalten die gleiche Startnummer, die sich aber in der Farbe (meist schwarz und rot) unterscheidet.

Das Besondere bei Zweier-Mannschaftsfahren ist, dass immer nur ein Fahrer eines Teams sich in der Rennwertung befindet. Der andere bleibt zwar auf der Bahn - im oberen Bereich - wird aber in dieser Zeit nicht gewertet. Die Teamkollegen können sich also beliebig oft ablösen, wobei dazu - als Zeichen für die Jury - nur eine Berührung an der Hand oder der Hose notwendig ist. Üblicherweise erfolgt ein Fahrerwechsel aller 1,5 bis 2 Runden. Der Wechsel selbst wir im sogenannten Schleudergriff durchgeführt. Damit gibt der abgelöste Fahrer seinem Partner noch einmal Schwung - Energie - mit.

Team Spanien beim Wechsel mit SchleudergriffTeam Spanien beim Wechsel mit Schleudergriff (WM 2012)

 

Die zu fahrende Renndistanz ist abhängig von der Bahnlänge. Auf einer 250 Meter Bahn fährt die Elite 100 Runden, also 25 km. Auf einer 400 Meter Bahn werden 65 Runden, also 26 km zurückgelegt. Bei Weltmeisterschaften vergrössert sich die Renndistanz. Auf der 250 Meter Bahn sind dann 200 Runden, also 50 km zu fahren.

Während des Wettbewerbs werden Sprintwertungen abgenommen. Auf der normalen 25 km Distanz werden 5 und auf der WM Distanz 10 Zwischensprints gefahren. Dabei werden folgendermaßen die Punkte verteilt: der Erste erhält 5, der Zweite 3, der Dritte 2 und der Vierte 1 Punkt. Die Wertungsabnahme erfolgt auf der Ziellinie.

Es gewinnt die Mannschaft das Rennen, die die höchste Anzahl von Punkten gewonnen hat. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Teams in der gleichen Runde ankommen. Gelingt es einem Paar, eine Runde zu gewinnen, d.h. das Fahrerfeld zu überrunden, so zählt dieser Gewinn mehr als jede Punktwertung. Anders als etwa beim Punktefahren gilt im Madison die Regel "Rundengewinn geht vor Punktgewinn" absolut.

Auf der Anzeigentafel wird bei einem Rundengewinn eines Teams für die anderen Teams ein Rundenverlust angezeigt. Paare, die vom Feld dreimal überrundet werden, scheiden aus.

Der Start des Rennens erfolgt fliegend und zwar nach einer neutralisierten ersten Runde. Aus Sicherheitsgründen dürfen maximal 18 Paare gleichzeitig auf der Bahn sein.

Zwischen 2000 und 2008 stand das Zweier-Mannschaftsfahren (Madison) auf dem Programm der Olympischen Spiele. Heute wird es im Bereich der UCI nur noch bei Weltmeisterschaften und einigen Weltcuprennen durchgeführt. Dass es nach wie vor die Hauptattraktion bei fast allen Sechstagerennen ist, sei hier nur am Rande erwähnt.

Ein erfolgreicher Madison Fahrer muss neben einer entsprechenden Ausdauer auch über gute Sprintfähigkeiten verfügen. Daneben ist auch taktisches Können und soziale Kompetenz erforderlich. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Rennpartner ist unverzichtbar.

Kenny de Ketele und Gijs van HoeckeKenny de Ketele und Gijs van Hoecke feiern den Sieg (WM 2012)

 

Ein Blick auf die Siegerlisten zeigt, das insbesondere Paarungen (etwa Bradley Wiggins und Mark Cavendish, oder Leigh Howard und Cameron Meyer) mit einem herausragenden Einerverfolger und einem erstklassigen Sprinter im Madison erfolgreich sind.

 

 

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Olympiasieger im Zweier-Mannschaftsfahren

Männer:
2000 Australien (Brett Aitken, Scott McGrory)
2004 Australien (Graeme Brown, Stuart O’Grady)
2008 Argentinien (Juan Esteban Curuchet, Walter Perez)


Weltmeistermeister im Zweier-Mannschaftsfahren seit 2002

Männer:
2002 Frankreich (Jerome Neuville, Franck Perque)
2003 Schweiz (Bruno Risi, Franco Marvulli)
2004 Argentinien (Juan Esteban Curuchet, Walter Perez)
2005 Grossbritannien (Mark Cavendish, Robert Hayles)
2006 Spanien (Isaac Galvez, Joan Llaneras)
2007 Schweiz (Franco Marvulli, Bruno Risi)
2008 Grossbritannien (Mark Cavendish, Bradley Wiggins)
2009 Dänemark (Michael Morkov, Alex Rasmussen)
2010 Australien (Leigh Howard, Cameron Meyer)
2011 Australien (Leigh Howard, Cameron Meyer)
2012 Belgien (Kenny De Ketele, Gijs Van Hoecke)
2013 Frankreich (Vivien Brisse, Morgan Kneisky)
2014 Spanien (Albert Torres, David Muntaner)


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Disziplinen des Bahnradsports:

Team Sprint (Mannschaftssprint)
Team Pursuit (Mannschaftsverfolgung)
Sprint (Individual Sprint)
Omnium (Vielseitigkeit)
Keirin

Time Trial (Einzelzeitfahren)
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Scratch Race (Malfahren)
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Madison (Zweier-Mannschaftsfahren)

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200m Einzelzeitfahren (200m Time Trial)
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